Der E-Book-Reader – Kolumne von und mit Maxi

Posted by Nives Mestrovic "Hanna" on Nov 23, 2010 in Kolumne von und mit Maxi |
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Hier liegt er also vor mir: Der E-Book-Reader eines namhaften elektronischen Großkonzerns. Wie ich dazu komme? Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst nicht so genau. Ich bin sicher kein early adopter in Bezug auf technische Innovationen. Als ich im Jahr 1991 mein BWL-Studium begann, dachte ich noch, Computer seien etwas für Informatik-Freaks und ich würde in meinem Leben niemals eine andere Tastatur als die meiner Brother-Schreibmaschine bedienen. Noch im gleichen Jahr zog der 286er-Prozessor mit Floppy-Disc-Drive in meine Studenten-Wohnung ein. Ähnlich verhält es sich mit diesem Elektro-Buch.

Ich kann mich nicht daran erinnern, aber ich muss wohl mal erwähnt haben, dass es schon cool ist, über 300 Bücher in einem Koffer transportieren zu können und dazu noch Platz für Unterwäsche zu haben. Und schwupps: Da lag es auf meinem Geburtstagstisch, das Wunderwerk der Technik. „Oh Schatz, ein E-Book-Reader! So eine Überraschung!“ Ich fühlte mich ungefähr 15 Jahre zurückversetzt. Damals verdrängte die Bodum-Presskanne die herkömmliche Kaffeemaschine aus den deutschen Haushalten. Natürlich dauerte es nicht lange, bis auch die erste meiner Freundinnen uns den Kaffee frisch gepresst servierte.

Höflich, wie ich nun mal bin, lobte ich das formschöne Design und die Qualität des Kaffees und schwupps, lag die Bodum-Presskanne unter meinem Weihnachtsbaum. Seit damals achte ich genauer auf meine Wortwahl und formuliere ein Lob heute eher so: „Das ist wirklich eine ganz schicke Kanne, aber ich persönlich hänge ja sehr an meiner alten Kaffeemaschine.“ Das ist eindeutig und hätte auch voll und ganz der Wahrheit entsprochen. Ich hing wirklich an meiner Kaffeemaschine. Nicht, dass sie besonders aromatischen Kaffee zubereitet hätte. Nein, hier ging es um Nostalgie.

Seit ich denken kann gehörte das morgendliche Gurgeln, Schnorcheln, Zischen und zuweilen auch Ächzen der Filter-Kaffeemaschine zu meinem Tagesablauf. Diese Geräusche verbunden mit dem sich langsam ausbreitendem Kaffeeduft bedeuten Vorfreude, aber vor allen Dingen Geborgenheit, denn das Zischen in meiner Studentenwohnung war das gleiche wie damals zu Hause bei meinen Eltern. Aber wo ich sie nun schon einmal hatte, gab ich der Presskanne eine Chance und schätzte den wohlschmeckenden Kaffee schon nach kurzer Zeit sehr.

Und so sitze ich heute am Schreibtisch mit einem Glas Latte Macchiato aus meinem Kaffeevollautomaten, bereit, dem elektronischen Buch eine Chance zu geben. Ich muss dazu sagen, dass ich Bücher sehr mag. Ich lese nicht nur gern, ich liebe auch das bedruckte Papier, den Geruch von Druckerschwärze, der je nach Papier und Druck unterschiedliche Ausprägungen hat, die Vorfreude (ähnlich wie bei der Kaffeemaschine) auf den Inhalt, wenn man die Seiten einmal kurz durch die Finger laufen lässt. Vorsichtig hole ich das Elektro-Buch aus dem mitgelieferten Stofftäschchen.

Ein erster Pluspunkt – Taschen sind in jeder Form einfach immer gut! Ich schnupper vorsichtig an dem Gerät, das eher einem Taschenrechner als einem Buch gleicht und verteile gleich ein Doppel-Minus: Das Gerät ist kalt und riecht – wie sollte es auch anders sein – nach Metall. Außerdem macht kein schönes Cover-Motiv Lust darauf, sich sofort mit einer Wolldecke auf dem Sofa einzukuscheln und loszulesen. Also erst mal einschalten. Der Schalter ist schnell gefunden, aber es tut sich nichts. Hm – also doch die Bedienungsanleitung studieren. Richtig, das Gerät muss erst einmal über ein USB-Kabel (nicht im Lieferumfang enthalten) am PC aufgeladen werden. Na super! Zum Glück habe ich ein passendes Kabel, aber das Lesen muss ich auf den Abend verschieben, da man den Reader während des Ladevorgangs nicht starten kann.

Ein paar Stunden später ist es soweit. Mit einem Glas Rotwein und Cashew-Nüssen habe ich es mir samt Elektro-Buch auf dem Sofa gemütlich gemacht. Die Kinder schlafen friedlich, der Mann ist bei einem Geschäftsessen. Gespannt schalte ich das Gerät ein. Das Buch, das ich schon so lange lesen wollte, wurde freundlicherweise bereits vorinstalliert. Das Lesen ist erstaunlich angenehm, der Monitor sieht tatsächlich fast wie eine Buchseite aus.

Und was von entscheidendem Vorteil beim Lesen im Liegen ist: das Elektro-Buch ist viel leichter als ein normales Buch, man kann es bequem in einer Hand halten oder sogar hinlegen, weil es ja nicht zuklappen kann. Nach drei Stunden Leselust steht für mich fest: Der E-Book-Reader ist ab sofort mein ständiger Begleiter auf Reisen. Zu Hause wird er meine Bücher nicht verdrängen können, aber wenn die das mit dem Geruch noch hinkriegen, dann werden das Elektro-Buch und ich noch richtig gute Freunde. Ich hab’s ja gleich gewusst.

Maxi

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