Elternzeit Kolumne Von Und Mit Maxi
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Elternzeit
Es wurde ja viel für Familien getan in den letzten Jahren. Das muss man fairerweise einmal sagen.
Erziehungsgeld heißt jetzt Elterngeld und der gute alte Erziehungsurlaub wurde zur Elternzeit. Durch diese sprachliche Modulation gewinnen Kinder unglaublich an Attraktivität, so dass jetzt auch junge Paare mit zwei Vollzeitgehältern total motiviert sind, sich auf das Abenteuer Familie einzulassen.
Was nur, frage ich mich, war so falsch an dem Begriff ‘Erziehungsurlaub’? Ich kann nichts Diskriminierendes finden. Die oder der Angestellte nimmt Urlaub, um sich während dieser Zeit der Erziehung der Kinder zu widmen. Erziehungsurlaub eben.
Was für mich mit diesem Begriff aber auch verbunden ist, ist die Absicht, dass eben dieser Arbeitnehmer seine Tätigkeit im Unternehmen wieder aufnehmen wird. Urlaub heißt ja, dass man für eine bestimmte Zeit nicht im Unternehmen ist, danach aber wieder da ist. Das ist sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber eine sichere Sache.
Was sagt mir der Begriff ‘Elternzeit’? Dass ich jetzt Zeit habe, Eltern zu sein? Nicht mal einen erzieherischen Auftrag erfülle, sondern einfach nur Eltern bin? Und danach? Soll ich irgendwann wieder arbeiten oder Eltern bleiben? Es wäre doch sehr unfair den Kindern gegenüber, wenn sie plötzlich keine Eltern mehr hätten. Und was ist mit der arbeitenden Mutter? Wie passt sie ins Bild?
Nun soll sich das Bild der Mütter in der Gesellschaft ja durch diese begriffliche Aufwertung auch enorm verändert haben. In der Tat. Die vorwerkelnde Familien-Managerin wäre ohne solch mutige, ja geradezu revolutionäre Umbrüche nicht denkbar gewesen.
Und das wäre gut gewesen. Denn was sollen uns diese ganzen blumigen Komplimente unserer Multitasking-Fähigkeit eigentlich sagen?
Frauen zurück an den Herd, wo ihr hin gehört!
Ich bin ein Kind der 70er. Damals hat Johanna von Koczian mit dem Lied ‘Das bisschen Haushalt’ gegen die traditionelle Rollenverteilung rebelliert. In den 80ern tanzten dann auch Männer beschwingt mit dem Wischmopp durchs Werbefernsehen. In den 90ern haben sich Ehepaare Haushalt und Arbeit geteilt. Und heute?
Im Jahr 2009 muss ich mich entscheiden, ob ich arbeite oder Eltern bin. Vereinbarkeit von Familie und Beruf heißt, dass ich entweder Vollzeit arbeite und meinen Säugling wahlweise einer Kindertagesstätte oder einem 18jährigen Au-Paire aus Osteuropa anvertraue. Oder ich bleibe bei meinen Kindern, und zwar nicht nur die vorgesehenen drei Jahre, und verzichte ganz auf eigenes Einkommen.
Qualifizierte Teilzeitjobs sind schwieriger zu ergattern als der supergünstige Flatscreen-Fernseher aus dem Aldi-Angebot. Heimarbeit? Doch, da findet man was. Zum Beispiel bunte Werbekugelschreiber zusammen schrauben. Oder Telefonsex. Da hat man praktischerweise die Hände frei für Hausarbeit, denn wir sind ja Multitasking-fähig.
Die Unternehmen beklagen einen flächendeckenden Fachkräftemangel, sind aber häufig nicht bereit, auch nur einen Schritt auf hervorragend ausgebildete Fachkräfte zuzugehen. Wenn berufstätige Frauen miterleben, wie Mütter, die vor ihrer Elternzeit erfolgreich als Abteilungsleiter fungiert haben, bei ihrem Wiedereinstieg ins Lager verbannt werden, ist es nicht verwunderlich, dass sie sich letztendlich ganz gegen Kinder entscheiden.
Zum Glück gibt es Argumente, die jede Angst in den Hintergrund treten lassen. Das Lachen eines Kindes zum Beispiel, oder der vertrauensvolle Blick eines Neugeborenen. Die leeren Worthülsen wie Elterngeld und Elternzeit sind es sicher nicht, die Akademikerinnen dazu motivieren, einen Beitrag zum Fortbestand unserer Spezies zu leisten.
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